Durchmarsch in die 2. Liga:
-Gefühle eines Trainers-
Es ist jetzt circa fünf Jahre her dass ich
mich entschieden habe eine meiner Lieblingssportarten, nämlich Volleyball, als
Trainer zu bestreiten. Damals wurde die Mannschaft TSV NN zweigeteilt und ich
habe die eine Hälfte übernommen. Sehr schnell habe ich diese Arbeit und das Team
liebgewonnen und ich hätte wohl auch nicht aufgehört, wenn ich nicht
studiumsbedingt für acht Monate ins Ausland gegangen wäre. In Anbetracht unserer
jüngsten Erfolge bin ich mir aber sicher dass das Team auch unter der neuen
Leitung als eine starke Mannschaft auftritt.
Wie ist es also dazu gekommen:
Als wir vor fünf Jahren als „Vorwärtseinparker“ in der 4. Leistungsebene der
Münchner Freizeit Mixed Liga angefangen haben waren wir nicht viel mehr als ein
zusammengewürfelter Haufen Leute, die eines gemeinsam hatten: die Liebe zum
Volleyball. Es bildete sich allerdings schnell ein, wenn auch am Anfang sehr
kleiner, Kern heraus, der mehr wollte als nur einmal die Woche ein paar Bälle
übers Netz befördern. Trotzdem hatten wir anfangs mit vielen Schwierigkeiten zu
kämpfen. Der Stamm der Mannschaft war einfach noch zu klein, zu viele Leute im
Training die nicht regelmäßig genug trainierten, oft Damenmangel (unsere
treueste Dame, Anne, spielte zwar mit dem Einsatz von mindestens zwei
Stellerinnen, aber auch die beste Stellerin kann nicht an zwei Orten auf dem
Feld zugleich sein!), und nicht zuletzt meine Unerfahrenheit. Als Skilehrer
hatte ich zwar schon einige Erfahrung in Sachen sportliches Training,
Volleyballtraining war allerdings doch noch Neuland für mich.
Um so mehr zählt der Verdienst der treuesten Mannschaftsmitglieder während
dieser ersten Jahre, in denen an einen Aufstieg nicht zu denken war, immer
hinter der Mannschaft gestanden zu haben. Gemeinsam haben wir uns durch alle
Höhen und Tiefen manövriert. Während dieser Jahre habe ich gemerkt dass es
mindestens genau so anstrengend ist ein Spiel vom Spielfeldrand aus zu leiten,
wie auf dem Feld zu stehen. Der Puls ist auf 130, der Blutdruck steigt ins
unermessliche und dass schlimmste ist das zuschauen, wenn die Feldspieler mal
wieder totalen Mi.. bauen. Es ist aber eine faule Ausrede, vom Mi.. der
Feldspieler zu sprechen, schließlich ist es ja meine Aufgabe gerade in solchen
Situationen Zugang zur Mannschaft zu finden, die Schwächen zu analysieren und
daran zu arbeiten. Aber, leichter gesagt als getan. Nach einigen
Orientierungsrunden in der 4. Liga, und durch langsamen, aber stetigen Zugang
von echten Mannschaftsspielern/innen, gelang es uns schließlich etwas aufzubauen
von dem wir noch heute profitieren: ein Mannschaftsgefühl.
Nachdem also der Grundstein zum Erfolg gelegt
war wurden wir, o Wunder, auch besser. Plötzlich war ein Aufstieg in Sicht.
Leider fehlte es uns noch ein bisschen an Konstanz, so dass wir zwischendrin
zwar sehr gute Spiele hatten, immer wieder aber auch gegen Mannschaften, deren
Namen Insider wohl kennen, abstürzten, so dass eigentlich keiner so recht wusste
was wir da fabriziert hatten. Schließlich schafften wir uns Ende der Saison
2003/2004 an den Aufstiegskampf heran. Jedoch, durch bisher noch immer nicht
ganz geklärte Umstände, auch hier wissen Insider Bescheid, wurden wir kurz vor
dem Ziel vom 2. Tabellenplatz gefegt. Die Enttäuschung war groß. Jedoch nur für
ein paar Wochen. Dann erfuhren wir von der neuen Gruppenaufteilung in den
Leistungsebenen, die auch den Tabellendritten den Aufstieg ermöglichte. Von nun
an war unser Ehrgeiz vollends geweckt! Wir mussten einfach allen zeigen dass wir
zurecht aufgestiegen sind. Hinzu kam im Sommer 2004 zum ersten mal die
Möglichkeit während der Ferien zu trainieren. Mit neuem Mut starteten wir in der
3. Leistungsebene in die Saison 2004/2005.
Von Anfang an lief es ziemlich gut, natürlich nicht ohne die klassischen
„Vorwärtseinparker- ich-zerstöre-die-Nerven-des-Trainers“ Spiele. Diese wurden
jedoch immer seltener. In der Rückrunde etablierten wir uns in der
Tabellenmitte. Die Punkteverteilung in unserer Gruppe war jedoch so eng, dass
wir circa vier Spiele vor Schluss noch die theoretische Möglichkeit sowohl zum
Aufstieg als zum Abstieg hatten. Da wir eine bescheidene Mannschaft sind hielten
wir den Aufstieg für relativ unrealistisch, den Abstieg wollten wir doch, da
waren wir uns sicher, vermeiden. Dies gelang uns dann auch in den nächsten
Spielen.
Dann kam das unmögliche: Als wir das vorletzte Spiel gewannen, standen wir
plötzlich vor einer neuen Situation: mit einem Sieg im letzten Spiel konnten wir
alles klar machen und uns auf einen Aufstiegsplatz spielen. Die Woche vor dem
letzten Spiel war durch stundenlanges Studieren der Tabellen und der Suche nach
vergleichbaren Situationen in anderen Gruppen und Leistungsebenen
gekennzeichnet. Schließlich waren wir uns sicher: egal wie wir gewinnen, wenn,
dann steigen wir auf.
So war eine prächtige Vorwärtseinparker Situation geboren: ein Sieg gegen den
Letzten der Tabelle konnte uns in die 2. Liga befördern. Maximale Nervosität,
nicht nur bei den Spielern!
Mit einer riesigen Traube an Fans, ein paar Kästen Bier, Sekt und vor allem, das
möchte ich an dieser Stelle erwähnen, der moralischen Unterstützung unserer
Partnermannschaft „Ham koan Plan“, die uns seit Bestehen unserer Mannschaft
immer unterstützt haben wenn wir es brauchten, machten wir uns auf den Weg zur
Schlachtbank, Verzeihung, meine natürlich Aufstieg. Wie Schweine auf der
Schlachtbank, man verzeihe mir diesen Ausdruck, präsentierten wir uns dann auch
in den ersten eineinhalb Sätzen. Wir hatten die Hosen gestrichen voll! Alles sah
so aus als ob wir uns den unverhofften, aber so ersehnten Aufstieg, durch einen
Rückfall in unsere Inkonstanz versauen sollten.
Zwei entscheidende Änderungen gab es jedoch:
diesmal lagen meine Nerven nicht nur blank, diesmal war der Bogen überspannt.
Ich wusste genau dass die Vorwärtseinparker weit unter ihren Möglichkeiten
spielten, und so kam es zum ersten mal in meiner Trainerkarriere dazu dass ich
während einer Auszeit wirklich laut geworden bin.
die Mannschaft hatte sich soweit gefestigt, dass sie sich auch aus solchen
Situationen herausspielen konnte.

Der Rest ist Geschichte, Sekt, Bier,
schreiender Jubel, Umarmungen und lauter überglückliche Vorwärtseinparker sind
die vagen Erinnerungen, die ich an den späten Abend des 22.04.2005 habe. Es wäre
allerdings dieses kein Vorwärtseinparker Spiel gewesen, wenn es nicht so
verdammt knapp gewesen wäre, danke, Mädls und Jungs, für diesen Abschied, er
wird mir immer in Erinnerung bleiben.
Mittlerweile bin ich in der Schweiz und habe
die Mannschaft der Anne übergeben. Heute, habe ich mir die Tabelle im Internet
angeschaut und mindestens eine halbe Stunde drauf gestarrt, so fasziniert und
stolz auf meine Mädls und Jungs bin ich immer noch. Sie haben mir wohl das beste
Abschiedsgeschenk gemacht, dass eine Mannschaft ihrem Trainer machen kann: den
Aufstieg.
Wenn ich allerdings recht überlege, so komme
ich zu dem Schluss, dass ich noch ein viel besseres Geschenk bekommen habe: Wir
Vorwärtseinparker sind nicht mehr nur eine Volleyballmannschaft, wir sind sehr
gute Freunde geworden und ich kann mit dem sicheren Gefühl gehen dass sich diese
Mannschaft gefunden hat und noch lange zusammen spielen wird. Das hat für mich
noch wesentlich mehr Wert als der Aufstieg.
Nicht ohne einen gewissen Stolz, dass muss ich
zugeben, verabschiede ich mich also von euch Vorwärtseinparkern und übergebe
euch der Leitung von Anne, die unser aller vollstes Vertrauen genießt.
So bleibt mir letztlich nur noch zu sagen:
Vielen Dank für alles,
Viel Erfolg,
Viel Spaß, und vor allem,
heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder,
keine Frage (und dann will ich was sehen)!
Liebe Grüße,
euer Trainer,
Thomsen.